http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/12/1082450.html
Maria Mena spielte verrockt
vom 12.März
Von Jörg Malke
Ursache: eine junge Sängerin, ihre fünfköpfige Band und Tontechniker, die für fast optimalen Sound sorgten. Wirkung: beseelte Fans im ausverkauften Docks, drei Zugaben, ein ganz starkes Konzert.
Maria Mena stellte am Mittwoch die Stücke ihres aktuellen Albums „Cause And Effect“ in den Mittelpunkt – und begeisterte die Menschen vor der Bühne.
Live gibt sie sich oft extrovertiert, und so moderierte die 23 Jahre alte Norwegerin fast jedes Lied länger an, legte dabei – wie auch in vielen Songtexten – ihr Seelenleben bloß und machte sich gern mal über gewesene Beziehungen („Relationshit“) oder nie zustande gekommene lustig. Die Leute kennen und erwarten das von ihr; Maria Mena kommt schließlich häufiger nach Hamburg – „meine Lieblingsstation auf Tour“. Was in dieser Intensität nicht zu erwarten war, dass sie zwischen Lolita-Attitüde und Shakira-Show mit ihrer Band verrockt spielte.
Die Musiker an zwei Gitarren, Schlagzeug, Bass und Keyboards nahmen auf hohem Niveau hohes Tempo auf; vielen im Vergleich mit den Studioversionen deutlich dynamischer arrangierten und instrumentierten Stücken von „Cause And Effect“ und dem Vorgänger-Album „Apparently Unaffected“ bekam das gut.
Maria Mena verfügt nicht nur für die zarten, sphärisch schwebenden Töne über eine faszinierende Stimme – sie kann auch richtig rockig röhren. Wenn das live gut abgemischt ist, wenn die lauten Töne in Topqualität aus den Boxen kommen, dann kann ein Konzert so viel Spaß machen wie dieses.
http://www.abendblatt.de/daten/2009/03/13/1083352.html
Die Beziehungen der Maria M.
vom 13.März
Hamburg -
Statt nur "Maria Mena" auf die Wand hinter der Bühne projizieren zu lassen, sollte die norwegische Sängerin den Schriftzug ergänzen: "Die meisten meiner Songs sind aus Beziehungsproblemen entstanden. Entweder gescheiterte (Relationshit) oder Beinahe-Beziehungen. Das ist meine Art, Gefühle und Gedanken zu verarbeiten."
Drei Sätze würden langatmige, selten unterhaltsame Anmoderationen jedes Titels überflüssig machen. Und Maria Mena könnte mehr singen als am Mittwoch vor 1300 begeisterten Fans im ausverkauften Docks.
Singen kann die 23 Jahre alte Norwegerin ("All This Time", "Just Hold Me") nämlich ganz großartig. So gut, dass die sprachliche Reife ihrer Texte hinter der Kraft und faszinierenden Intensität ihrer Stimme live an Bedeutung zu verlieren droht. Erst recht, wenn Maria Mena verrockt spielt: Statt - wie oft auf dem aktuellen Studioalbum "Cause And Effect" und dem Vorgänger "Apparently Unaffected" - glockenrein zu intonieren und sphärische Klangteppiche hinzuhauchen, röhrte sie los wie eine amtliche Rocklady; das erinnerte zeitweise an Tina Turner oder Björk. Eineinhalb Stunden lang inszenierte sich Maria Mena mit merkwürdigen Bewegungen zwischen Shakira-Show und Lolita-Attitüde, schmiss Kamelle und beeindruckte mit Arrangements, denen ihre Band (zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Keyboards) mitreißend Dampf machte.
Dazu hatte sie sich aus Oslo als Support einen Künstler mitgebracht, von dem hoffentlich noch viel zu hören sein wird: Jarle Bernhöft (22, übersetzt seinen Namen mit "Charly Bahnhof") ist mit seiner Soul-Stimme der bessere Max Mutzke. Und ein Multiinstrumentalist, der das Rhythmusgerüst seiner Lieder selbst baut - mit vor jedem Song live erstellten Samples und Loops (Teile von Melodieläufen und Percussionelemente, die dann als digitalisierte Endlosschleifen eingespielt werden). Das hatte hohen Unterhaltungswert und gipfelte in einem Duett mit Maria Mena. Selbiges glänzte (muss ja auch mal gesagt werden!) wie alle Stücke mit fast perfektem Sound.
Wenn es so weitergeht, wird zwischen der eigenwilligen Skandinavierin und dem Publikum garantiert kein Beziehungsproblem entstehen.
jöm